article

Cyberangriffe im Angesicht des konventionellen Ukrainekriegs

Als erste große Auseinandersetzung zwischen zwei großen Nationen ist er richtungsweisend für die zukünftige Rolle von Cyberangriffen in der Kriegsführung. Und so hatte die digitale Zermürbung der Ukraine bereits lange vor dem 24. Februar begonnen.

Der Krieg im Verborgenen

Es ist der Vorabend des 24. Februar 2022. Die Lage in der Ukraine ist angespannt, doch noch ist kein Schuss gefallen. Im Westen hofft man auf Vermittlungsversuche zwischen dem ukrainischen Präsident Selenskyj und dem autoritären Führer Russlands, Wladimir Putins. Doch in den ukrainischen Ministerien für Äußeres, Inneres und Verteidigung tritt allmählich Verwirrung auf. Rechner reagieren nicht, Daten scheinen verschwunden. Schnell melden sich auch Schlüsselunternehmen aus der Luftfahrt-, Finanz- und Verteidigungsbranche: Malware sei auf ihren Servern, lasse ihre digitale Infrastruktur zusammenbrechen. Auch die Parlamentswebsite wird nun attackiert und selbst die Seite des ukrainischen Geheimdienstes wird offline genommen. Der Krieg im Cyberspace hatte begonnen. Derartige umfassende Cyberangriffe haben eine große Verwundbarkeit des Westens offengelegt. Mit vergleichsweise wenig Aufwand kann enormer Schaden erzeugt werden, kann die Infrastruktur eines ganzen Landes zum Erliegen gebracht werden. Hier besteht akuter Nachholbedarf, um für die zukünftigen Auseinandersetzungen mit den autoritären Großmächten Russland und China gewappnet zu sein. Wie die Hacking-Angriffe bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen bewiesen haben, ist dies nicht nur im wirtschaftlichen Interesse der Länder, sondern auch für die Sicherung elementarer Demokratischer Prozesse unumgänglich. Nur so können wir unsere Sicherheit und unsere Werte in einer zunehmend unruhigen und aggressiven Weltpolitik behaupten.

Nicht erst seit gestern ein Problem

Wenige Stunden danach erklärte Wladimir Putin in einer Fernsehansprache der Ukraine den Krieg. Als erste große Auseinandersetzung zwischen zwei großen Nationen ist er richtungsweisend für die zukünftige Rolle von Cyberangriffen in der Kriegsführung. Und so hatte die digitale Zermürbung der Ukraine bereits lange vor dem 24. Februar begonnen. Schon 2014 begann die russische Föderation großangelegte Hacking-Angriffe auf ukrainische Infrastruktur. Diese sollen, wie bei dem Angriff auf das digitale Wahlsystem, die demokratischen Fähigkeiten der Ukraine untergraben. Auch soll durch Angriffe beispielsweise auf die Stromversorgung wirtschaftlicher Schaden entstehen und den ukrainischen Bürgern die vermeintliche Unfähigkeit ihrer eigenen Regierung vor Augen geführt werden. Hunderttausende waren ohne Strom, als die Sandwurm-Gruppe, eine Einheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU, den ersten erfolgreichen Cyberangriff auf Kraftwerke durchführte. 2017 war erstmals ein massiver Angriff auf die wirtschaftlichen Strukturen des Landes erkennbar: Die Infrastruktur des Landes wurde massiv angegriffen; darunter Flughäfen, das Telekommunikationsnetzwerk, die Postdienste oder das Schienennetz. Ministerien wurden gehackt, Banken, Firmen und Zeitungen digital infiltriert. Doch die Angriffe, die am „Tag der ukrainischen Verfassung“ starteten, beschränkten sich nicht nur auf diese. Knapp zehn Prozent der Angriffe zielten auf Deutschland, weitere auf Länder wie Polen, Großbritannien oder die USA. Die Operation, mutmaßlich durch den russischen GRU initiiert und geleitet, sorgte nicht nur in der Ukraine, sondern auch in vielen westlichen Ländern für massive Schäden.

Aufholbedarf

Derartige umfassende Cyberangriffe haben eine große Verwundbarkeit des Westens offengelegt. Mit vergleichsweise wenig Aufwand kann enormer Schaden erzeugt werden, kann die Infrastruktur eines ganzen Landes zum Erliegen gebracht werden. Hier besteht akuter Nachholbedarf, um für die zukünftigen Auseinandersetzungen mit den autoritären Großmächten Russland und China gewappnet zu sein. Wie die Hacking-Angriffe bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen bewiesen haben, ist dies nicht nur im wirtschaftlichen Interesse der Länder, sondern auch für die Sicherung elementarer Demokratischer Prozesse unumgänglich. Nur so können wir unsere Sicherheit und unsere Werte in einer zunehmend unruhigen und aggressiven Weltpolitik behaupten.

Immer gratis, aber nie umsonst: Eine kurze Anfrage.